2009
09.29

Infrarotfotografie

Die Infrarotfotografie bildet Objekte im für das menschliche Auge nicht sichtbaren Infrarotspektrum ab, was zu völlig anderen Ergebnissen führt als die Fotografie im sichtbaren Licht. Infrarotfotografie kann in klassischer Form mit speziellen Filmen oder in digitaler Form mit digitalen Kameras betrieben werden.

Grundlagen
IMG_0085Infrarotstrahlung schließt sich im langwelligen Bereich an das sichtbare Spektrum des Lichts an. Das Auge kann Licht im Wellenlängenbereich zwischen 380 und 780 Nanometern wahrnehmen, die Infrarotstrahlung erstreckt sich in einem Wellenlängenbereich zwischen 780 und 1400 Nanometern. Die Infrarotfotografie ist nicht zu verwechseln mit der Thermofotografie, die mit Spezialkameras Wellenlängen ab 10.000 Nanometern ablichtet.

Effekte der Infrarotstrahlung auf Fotografien
Infrarotstrahlung wird von Materialien unterschiedlich stark reflektiert, die im Infrarotbereich zudem andere Reflexionseigenschaften zeigen als im sichtbaren Licht. Je mehr Infrarotlicht reflektiert wird, desto heller erscheint das Objekt auf der Fotografie. Chlorophyll in Pflanzenblättern reflektiert Infrarotstrahlung überdurchschnittlich gut, so dass grüne Blätter auf Fotos sehr hell erscheinen (Wood Effekt). Infrarotstrahlung wird durch Dunst und Luftverschmutzung weniger stark gestreut als das Licht im sichtbaren Spektrum. Landschaftsaufnahmen werden dadurch klarer und schärfer abgebildet. Der Himmel ist auf Infrarotaufnahmen sehr dunkel und klar und bildet einen guten Kontrast zu den klaren, hellen Wolken. Auch Wasserflächen erscheinen dunkel, wenn das Wasser nicht aufgewühlt ist. Bei Personenaufnahmen erscheint die Haut hell und porzellanartig.

Wahl der Kamera
Bei analogen Kameras sollte darauf geachtet werden, dass sie aus einem Metallgehäuse und Metallverschluss bestehen, damit der Film nicht schon vor der eigentlichen Aufnahme ungewollterweise belichtet wird. Aus diesem Grund sollten die kostenintensiven Infrarotfilme nur bei absoluter Dunkelheit eingelegt und entwickelt sowie kühl aufbewahrt werden. Ungeeignet sind auch Kameras, die zur Steuerung des Filmtransports Infrarotleuchtdioden verwenden, da auch dies den Film belichten kann.

17146653Die Aufnahmechips digitaler Kameras sind für Infrarotlicht empfindlich. Um Unschärfen und Störungen bei Abbildungen im sichtbaren Licht zu verhindern, werden die Kameras werksseitig mit einem Sperrfilter für Infrarotlicht ausgestattet, der normalerweise nicht entfernbar ist. Für gelegentliche Infrarotfotografie sollte das Restlicht dieses Bereichs unter Einsatz eines Stativs und entsprechenden Filters ausreichend sein. Ob die Kamera für Infrarotaufnahmen geeignet ist, lässt sich mit dem Fernbedienungstest einfach herausfinden. Dazu wird eine Fernbedienung auf das Objektiv der Kamera gerichtet und dauerhaft ein Knopf betätigt. Die Leuchtdiode der Fernbedienung sollte als blauer oder violetter Punkt auf dem Display oder einer Fotografie erkennbar sein. Ist dies der Fall, ist die Kamera für Infrarotaufnahmen geeignet. Allerdings erscheint das Sucherbild bei Verwendung eines Infrarotsperrfilters und eines Infrarotfilters schwarz. Für Infrarotaufnahmen ist ein manueller Weißabgleich mit aufgeschraubtem Infrarotfilter erforderlich.

Umbau einer digitalen Kamera
Wenn die Leuchtdiode nicht zu erkennen ist, dann ist die Kamera nicht für Infrarotaufnahmen geeignet. In diesem Fall wäre ein Umbau notwendig, der es ermöglicht, den Infrarotsperrfilter herausnehmen zu können. Solch ein Umbau beeinträchtigt die Garantie- und Gewährleistungsansprüche auf die Kamera. Er kann entweder selbst oder von einem spezialisierten Anbieter vorgenommen werden. Für einen Umbau gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann der Infrarotsperrfilter entfernt und durch eine Glasscheibe ersetzt werden, so dass die Kamera für Infrarotaufnahmen, UV-Aufnahmen und Aufnahmen im sichtbaren Licht geeignet ist. Dies ermöglicht, unter Verwendung geeigneter Filter, den Einsatz auch als Astro- und UV-Kamera. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Infrarotsperrfilter durch einen Infrarotfilter zu ersetzten, so dass mit der Kamera ausschließlich Infrarotaufnahmen möglich sind. Bei diesem Umbau können verschiedene Infrarotfilter eingesetzt werden. Ein Allroundfilter ermöglicht die Erstellung von farblichen und SW-Infrarotaufnahmen. Mit einem farbverstärkenden Filter sind SW-Infrarotaufnahmen nur noch mit geringeren Kontrasten, aber stärkeren Farben möglich. Filter für reine SW-Aufnahmen verstärken die Kontraste, farbige Aufnahmen sind allerdings nicht mehr möglich. Der Umbau einer Kamera hat den Vorteil, dass keine zusätzlichen Objektivfilter mehr notwendig sind, das Sucherbild hell ist und keine objektivbedingten hellen Flecken mehr auf den Bildern erscheinen. Allerdings ist die Kamera dann nur noch für Infrarotaufnahmen geeignet und auf einen bestimmten Filter festgelegt. Die Kamera muss sich zudem für die gewünschte Umbauvariante eignen. Der professionelle Umbau ist kostenintensiv.

Infrarotfilter
Für die Infrarotfotografie ist der Einsatz spezieller Filter notwendig, die das sichtbare Licht blockieren und nur das Infrarotlicht durchlassen. Dafür eignen sich Tiefrote- und Schwarzfilter, die je nach Abstufung fast kein oder kein sichtbares Licht mehr passieren lassen. Der Nebeneffekt von Schwarzfiltern ist, dass auch das Bild durch den Sucher schwarz ist. Die Erstellung von Aufnahmen sollte mit Stativ erfolgen, auf das die Kamera montiert wird. Anschließend wird der Bildausschnitt gewählt und erst dann der Infrarotfilter angebracht.
Die kostenintensiven Einschraubfilter werden aus Spezialglas mit einer Mehrschichtvergütung von Herstellern wie beispielsweise Hoya, B+W und Heliopan in unterschiedlichen Durchmessern angeboten. Bei der Verwendung mehrerer Objektive sollte ein Schraubfilter für das Objektiv mit dem größten Durchmesser erworben werden. Dieser kann dann für kleinere Objektive über Reduzierringe angepasst oder bei Verwendung eines Stativs einfach vor das Objektiv gehalten werden. Kostengünstiger aber weniger haltbar und kratzfest sind Steckfilter aus Kunststoff oder Filterfolien. Welcher Infrarotfilter geeignet ist, hängt zudem von der Technikkombination aus Kamera und Objektiv ab.

17146578Objektivwahl
Grundsätzlich sind alle Objektive geeignet, an denen sich ein Schraubfilter befestigen oder ein anderer Filter verwenden lässt. Empfehlenswert sind leichte Weitwinkelobjektive, da sich die Infrarotfotografie besonders für Landschaftsaufnahmen empfiehlt. Da Objektive für Aufnahmen im sichtbaren Licht ausgelegt sind, müssen Einstellungen wie Entfernung und Schärfe manuell korrigiert werden, um gute Ergebnisse zu erhalten. Eine Entfernungsskala ist hilfreich, ist diese nicht vorhanden, sollte die Korrektur in Richtung einer höheren Entfernung erfolgen. Bei einigen Objektiven kann es auf der Abbildung aufgrund der Vergütung des Objektivs zu einem hellen Fleck (Hotspot) kommen.

Tipps für die Infrarotfotografie
Gute Fotografien im Infrarotbereich basieren auf einer ausgewogenen Komposition aus Hell-Dunkel Kontrasten, da viele Infrarotaufnahmen eigentlich nur Schwarz-Weiß-Bilder sind.
Die optimale Zeit für Bilder mit Wood-Effekt ist der Mai, da das frische Blattgrün fast reinweiß auf den Aufnahmen erstrahlt. Bilder mit Mischungen aus Wood-Effekt und klassischer SW-Fotografie können aufgrund der Lichtverhältnisse sehr gut im späten April und frühen Mai erzielt werden. Da die Infrarotfotografie auf langwelligem, rotem Licht basiert, ist die richtige Tageszeit entscheidend. Geeignet sind der frühe Morgen oder der späte Nachmittag für einen guten Wood-Effekt, der gestalterisch sehr dominant ist. Himmel kann je nach Sonnenstand grau bis fast schwarz erscheinen. Wolken sind klarer als im sichtbaren Licht erkennbar und damit auch ein wichtigeres Gestaltungselement. Portraitaufnahmen stellen eine besondere Herausforderung dar. Gewohnte Elemente wie Lippen können je nach Lichtwinkel aufgrund der roten Farbe fast weiß erscheinen.

IMG_0085Gestaltungsmöglichkeiten bietet auch die Ausrichtung der Kamera in Relation zur Sonne, da das direkt einfallende Sonnenlicht weniger Infrarotanteil aufweist als das reflektierte. Eigentlich weiße Flächen wie Blattwerk können so Farbvariationen von dunklem Grau bis weiß aufweisen. Die von Infrarotaufnahmen ausgehende Faszination basiert auch auf einer fast unwirklichen Schärfe dieser Aufnahmen. Kleine, für das Auge nicht wahrnehmbare Details von Bäumen oder spiegelnden Wasseroberflächen sind auf Infrarotaufnahmen voller Kontraste und Durchzeichnung. Auch Landschaftsaufnahmen an Tagen mit normaler Fernsicht erscheinen sehr klar, scharf und detailreich bis in die Ferne.
Der Nachbearbeitung von Infrarotaufnahmen kommt eine zentrale Bedeutung zu, da die Kameraeinstellungen meist nicht so vorgenommen werden können, dass optimale Ergebnisse erzielt werden. Für SW-Aufnahmen genügt meist eine Tonwert- und Sättigungskorrektur mithilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes. Auch farbliche Infrarotaufnahmen sind bei einem guten Weißabgleich und mit einem schwachen Infrarotfilter möglich. Mithilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes wird ein Kanaltausch zwischen rot und blau vorgenommen und anschließend der Tonwert und die Sättigung angepasst. Eine andere Möglichkeit ist das Übereinanderlegen von Ebenen mit einer normalen Aufnahme im sichtbaren Licht und der anschließenden Anpassung verschiedener Parameter.

Optik Makario

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