02.24
Gut gemachte Panoramaaufnahmen sind immer ein Hingucker, ob Horizontal- oder ein spannendes Vertikalpanorama von einem Wasserfall. Die größte Faszination auf Betrachter, wie Fotografen gleichermaßen, übt jedoch die 360 Grad-Panoramafotografie aus. Professionellen Fotografen stehen für die Umsetzung die komfortabelsten Möglichkeiten offen – ob drehbares Kameragehäuse, schwenkbarer Verschluss oder mit Hilfe von Spiegeltechnik. Gerade die letzte Variante, verzerrt die Aufnahmen jedoch nicht selten recht stark. Dem privaten Fotografen bleiben, meist aus finanziellen Gründen, solch professionelle Techniken verwehrt. Doch mit ein wenig Geschick und Übung, lassen sich auch mit herkömmlichen Kameras durchaus ansehnliche Panoramen ‘zaubern’. Voraussetzung ist allerdings etwas Geduld, denn die ersten Aufnahmen werden sicher nicht das Nonplusultra werden. Das sollte man als Ansporn nehmen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Der Hobbyfotograf erstellt seine Panoramen in der Regel aus mehreren Einzelbildern, bei denen die Kamera immer ein Stückchen weiter geschwenkt wird. Mittels Stitching-Technik können diese Bilder später zu einem einzigen Panorama zusammengefügt werden. Da es passieren kann, dass man beim Zoomobjektiv die Brennweite während der Aufnahmen versehentlich verstellt, sind Objektive mit fester Brennweite besser geeignet. Die manuelle Panoramaerstellung mittels ‘handelsüblicher’ Kamera hat durchaus Vorteile, denn sie ermöglicht es Panoramabilder in höheren Auflösungen herzustellen. Viele Panoramakameras nehmen hingegen im Querformat auf Kleinbildfilm auf und bieten somit nur eine mäßige Auflösung. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich jede Kamera die manuelle Belichtungs- und Entfernungseinstellungen bietet, für diese Aufgabe eignet. Bei Digitalkameras sollte zusätzlich der manuelle Weißabgleich möglich sein.
Mit oder ohne Stativ? Ohne Frage ist das Stativ eine große Hilfe, um gute Panoramaaufnahmen zu realisieren. Doch in der Praxis lässt sich nicht unbedingt an jedem Standort mit einem Stativ hantieren. Mit einem ruhigen Händchen können auch ohne Stativ (Handheld), durchaus brauchbare Aufnahmen entstehen. Für die unweigerlich entstehenden Ungenauigkeiten, ist später die Stitching- beziehungsweise Bildbearbeitungs-Software zuständig. Bei 360 Grad-Panoramafotografien ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass möglichst jedes Einzelbild ein reizvolles Motiv liefert. Panoramabilder bei denen auf ‘langer Strecke’ nichts interessantes zu entdecken ist, sind schlicht langweilig. Dieses Ideal bieten sicher die wenigsten Rundum-Motive, doch ein einsamer Bereich lässt sich durch einen zufällig vorbei flatternden Vogel schon aufwerten. Panoramafotografie braucht vor allem eines: Geduld. Nicht einfach ist die Sache mit den Kameraeinstellungen, denn die Bilder sollten natürlich im Hinblick auf Belichtung, Fokus und Weißabgleich möglichst ‘aus einem Guss’ sein. Das bedeutet gleiche Belichtung mit einem großen Aber. Logischerweise ist der Lichteinfach in südliche Blickrichtung vollkommen anders, als in nördliche Richtung. Von stark abweichenden Bereichen fertigt man daher zusätzliche Fotos, mit korrigierter Belichtung an. Weitere Korrekturen können später mit der passenden Software vorgenommen werden.
Wie bereits erwähnt, bieten Stitching-Programme eine praktische Hilfe, um möglichst schnell zu einer Panoramaaufnahme zu kommen. Wie immer gibt es auch hier Vor- und Nachteile, denn schneller ist nicht immer besser. Das automatische Zusammenfügen klappt eben nicht immer so, wie sich der Programmierer das wohl gewünscht hat. Für kleinere Panoramen sind dies Programme durchaus geeignet, wer jedoch Wert auf Auflösung und Genauigkeit legt, wird ist mit manueller Bearbeitung zufriedenstellendere Ergebnisse erhalten.
Nach den Bildaufnahmen ist die richtige Bildauswahl, der erste Schritt hin zum 360 Grad-Panorama. Vor allem bei der Aufnahme von Bauwerken, sind stürzende Linien kaum zu vermeiden. Tritt dieser Effekt auf, werden Gebäudekanten oft unnatürlich schräg wiedergegeben. Die Ursache liegt darin, dass die Objekt- und Projektionsflächen nicht parallel verlaufen. Um diesen Effekt zu minimieren, gibt es recht hilfreiche Software auf dem Markt. Für einfachere Korrekturen und für den Hausgebrauch durchaus ausreichend, sind Freeware-Programme wie beispielsweise ShiftN. Entsprechende Tools sind in der Lage sowohl die Kameradrehung, als auch stürzende Linien automatisch zu korrigieren. Bevor mit dem Zusammenfügen begonnen werden kann, sollten zunächst sämtliche Aufnahmen optimiert werden.
Der nächste Schritt besteht darin, die Bilder aneinander zu fügen. Ideal sind Bildbearbeitungsprogramme, die mit mehreren Ebenen arbeiten können. Das erleichtert einzelne Korrekturen an den verschiedenen Bildern, bevor diese endgültig auf eine Ebene reduziert werden. Aufeinander folgende Bilder gleicht man möglichst mit einer Verlaufsmaske an, das bringt meist die besten Ergebnisse. Um eventuelle ‘kantige’ Übergänge zu retuschieren, bietet sich der Radiergummi oder das Fingerwerkzeug an – beides zählt in gängigen Bildbearbeitungsprogrammen zur Standardausstattung. Gerade bei Landschaftsaufnahmen, hat man immer mit einem Dunsteffekt zu kämpfen. Diverse Bildbearbeitungs-Software bieten die ‘Leuchten’-Funktion, mit der einfach gesagt, die im Dunst liegenden Farben wieder zum Vorschein gebracht werden können. Falls erforderlich sollten die Bilder auch entrauscht werden, womit ebenfalls die Farbwiedergabe deutlich verbessert werden kann und die Bilder schlicht schärfer erscheinen. Schlussendlich werden alle Bilder auf eine einzige Ebene gelegt. Nun kommt einer der letzte, schwierige Schritt bei einer 360 Grad Panoramafotografie. Die Bildausschnitte rechts und links müssen exakt aneinander angepasst werden. Einwandfrei passen diese beiden Kanten nur, wenn das Stativ absolut genau ausgerichtet wurde. Das gelingt nur selten hundertprozentig, so dass die Bilder durch Neigung einander angenähert werden müssen. Sicher ist die 360 Grad-Panoramafotografie nichts für nervöse Finger, aber die Mühe und Geduld lohnen sich.


